Die Geschichte von Botec

Interview mit Hartmut Fahrner

Zum 25-jährigen Jubiläum unseres Prozessleitsystems Botec haben wir Hartmut Fahrner, Botec-Entwickler der ersten Stunde, befragt und spannende Einblicke des studierten C-Programmierers erhalten. Wie sich Botec im Laufe der Jahre entwickelt hat, was aus dem damaligen Team geworden ist und welche außergewöhnlichen Projekte unser Kollege in der Getränke- und Liquid-Food-Industrie begleitet hat, erfahren Sie hier.

Botec Entwickler auf grüner Couch im Büro.

Botec

damals und heute

Seit wann bist du im Konzern, und seit wann beschäftigst du dich mit Botec?

Im September 1994 kam ich frisch von der Uni, an der ich Elektrotechnik mit Schwerpunkt Informationstechnologie studiert habe, zum Unternehmen. Damals gab mir ein Freund den Tipp mit Steinecker, heute Krones. Ich bewarb mich dort und wurde eingestellt. Schon bald landete ich im Botec-Team, welches damals ganz neu zusammengestellt war. Dort bin ich bis heute geblieben.

Wie war das damals vor 25 Jahren? Wie waren die Anfänge? Wie habt ihr gearbeitet?

Das gleiche Kernteam, das sich noch heute entwicklungsseitig um Botec kümmert, hat schon damals bei seiner Entstehung mitgewirkt. Neben mir gab es einen weiteren C-Programmierer und jemanden für die Programmierung der speicherprogrammierbaren Steuerung, sowie etwas später einen Kollegen, der sich um die Datenerfassung und Auswertung kümmerte. Heute arbeiten insgesamt zehn Mitarbeiter an der (Weiter-)Entwicklung von Botec.

Wirkliche Hilfsmittel, wie man sie heute kennt und die das Arbeiten immens vereinfachen, gab es damals noch nicht. Daten haben wir zu der Zeit mit Disketten (3,5‘‘ Floppy Disks) und einer Speicherkapazität von rund 1,4 MB hantiert. Das ist gerade einmal die Hälfte an Speicherplatz, die man beispielsweise für ein dreiminütiges Lied benötigen würde. Unser anfängliches Betriebssystem war auch nicht Windows, sondern nannte sich QNX 2. Man musste den Quellcode ohne jegliche Programmierunterstützung mit aus heutiger Sicht steinzeitlich anmutenden Tools erstellen und testen. Das kann man sich jetzt gar nicht mehr vorstellen. Internet gab es im Unternehmen auch noch nicht.

In einem Satz: Was zeichnet Botec aus?

Mit Botec lassen sich sämtliche Schritte der Produktion veranschaulichen, planen, steuern, überwachen, dokumentieren und auswerten.

Harmut Fahrner in Temuco (Chile) in der Steuerungszentrale und im Hintergrund Gärbottiche.
Vier Entwickler im Büro.
Botec Entwickler stehen vor Gärbottichen.

Die Entwicklung

von Botec

Wie hat sich Botec in den letzten 25 Jahren entwickelt?

Neben mehreren Generationen des Prozessleitsystems und unterschiedlichen Betriebssystemvarianten waren im Laufe der Zeit auch Wechsel der Programmiersprache fällig. Heute läuft Botec unter Windows 10 (und natürlich auch auf den zugehörigen Serverbetriebssystemen) und wird in C# (gesprochen C-sharp) programmiert. Große Entwicklungsschritte waren die komplette Umstellung des Systems auf eine neue Automatisierungsplattform und die Integration eines Datenbankservers in 2001. Was sich natürlich auch geändert hat, ist die zeitliche Komponente. Ganz früher hat es bei größeren Anlagen schon mal bis zu 20 Minuten dauern können, bis Botec komplett hochgefahren war. Was sich jedoch in den 25 Jahren nicht geändert hat, ist die Ausfallsicherheit von Botec. Es laufen in der Regel immer zwei redundante Systeme beziehungsweise PCs, von denen einer ausfallen und der jeweils andere im Notfall ohne Unterbrechung der Anlange sofort einspringen kann. Mit diesem Prinzip lassen sich auch Updates im laufenden Betrieb einspielen.

Wie geht es mit Botec weiter, was ist Neues geplant und an welchen Themen arbeitest du gerade?

Es gibt eine ganze Menge spannender Themen: Beispielsweise soll Botec fit für den Einsatz mit S7-1500er Steuerungen (Siemens TIA: Totally Integrated Automation) gemacht werden. In diesem Zusammenhang planen wir auch, Teile des gesamten Frames zu erneuern und mit neuen Funktionen auszustatten. Ein großes Thema ist auch IT-Security.

Botec kann für alle Batchprozesse verwendet werden. Welches ist für dich das bisher ungewöhnlichste oder spannendste Projekt, bei dem Botec eingesetzt wird?

Da fällt mir ein Milchwerk in Niederbayern, Deutschland ein. Das Unternehmen hat nur die Lizenzen bei uns erworben und die Anlage komplett selber damit engineert und konfiguriert. Dabei wird das dort vorhandene System sukzessive durch Botec ersetzt. Mittlerweile ist dies die größte Installation des Prozessleitsystems weltweit, welche laufend ausgebaut und erweitert wird.

Auch sehr spannend war eines unserer Projekte in Barcelona, Spanien, bei dem der Ventilknoten mit über 1000 Ventilen komplett mit Botec gesteuert wird. Das Anlagenbild ist unglaublich. Die Anlage ist übrigens mittlerweile komplett virtualisiert.

Die Anlage in Johannesburg, Südafrika war ebenfalls sehr außergewöhnlich. Dort haben wir das Botec-Add-On DynaRoute (eine Art Navigationssystem für das Rohrleitungssystem mit automatischer Statusverwaltung und Steuerung verschiedener Transfers) in Betrieb genommen. Die vielen technologischen Herausforderungen machten diese Anlage zu einem der schwierigsten Projekte meiner Laufbahn.

Drei Botec-Entwickler, einer davon telefoniert.

Easter-Egg: Dieses Bild ist schon seit Anbeginn in Botec versteckt und kann mit nur einem Mausklick entdeckt werden.
Viel Spaß bei der Suche!

Erinnerungen

an 25 Jahre Botec

Weißt du eine besondere Anekdote?

Im Kopf geblieben ist mir eine Reise mit Kollegen aus dem technischen Vertrieb nach Amerika. Zu einem Kundentermin vor vielen Jahren hatten wir unsere vollständige Ausstattung dabei, eine komplette S5 Steuerung verpackt im Aluminium-Koffer, einen Desktop PC mit „Henkel“, auf dem das Demosystem lief, und allerhand ungewöhnliches Zubehör. Das Personal am Flughafen staunte nicht schlecht über unser „Gepäck“, und wir waren in Erklärungsnot, wofür wir denn das ganze Equipment bräuchten. Das war echt eine komische Situation, weil wir dachten, dass sie uns gleich alles abnehmen würden. Doch als wir dann erklärten, das seien Gerätschaften zum Bierbrauen, war das Eis gebrochen, und wir durften mit unser Ausrüstung einreisen.

Welches Getränk, bei dem Botec im Herstellungsprozess eingesetzt wird, hat dir bisher am besten geschmeckt?

Mit den Endprodukten komme ich nicht wirklich in Berührung. Ich kann nur sagen, dass die stetig wechselnden Versuchsbiere im Freisinger Technikum sehr lecker sind. Die Anlage wird komplett mit Botec gesteuert. Übrigens können auch Kunden dort ihr eigenes Bier herstellen und verkosten.